Wege aus der Altersdepression: Vortrag des Lions Club Freilassing–Salzburger Land
Mit einer herzlichen Begrüßung eröffnete die Präsidentin des Lions Club Freilassing–Salzburger Land, Petra Aicher, den Vortrag „Wege aus der (Alters-)Depression“ und hieß den Referenten, Diplom-Sozialpädagogen Rainer Hoffmann, sowie die zahlreichen Gäste im vollbesetzten Saal des Hotels und Restaurants Vötterl in Großgmain willkommen. Im Zentrum des Vortrags standen Definition, Erkennen, Ursachen und Bewältigung depressiver Erkrankungen im höheren Lebensalter. Hoffmann machte dabei deutlich, dass Depressionen ernstzunehmende Erkrankungen sind und Menschen in allen Lebensphasen betreffen können.
Rund 14,4 Prozent der Erwachsenen berichten von einer diagnostizierten depressiven Erkrankung. Auch im Alter ist die Krankheit häufig – und mit einem erhöhten Risiko von Suizidalität verbunden. Frauen zeigen dabei höhere Prävalenzraten als Männer. Der Referent unterschied zwischen reaktiven Depressionen, die als Reaktion auf belastende Lebensereignisse entstehen, und endogenen Depressionen, bei denen medizinische Ursachen wie genetische Dispositionen oder Störungen des Hirnstoffwechsels eine Rolle spielen.
Ein zentrales Thema des Abends war die Einsamkeit im Alter. „Einsamkeit tut weh – und macht krank“, so der Referent mit Verweis auf neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse. Rund 32 Prozent der über 75-Jährigen fühlen sich häufig einsam, bei den über 80-Jährigen sind es etwa 50 Prozent. Besonders ältere Frauen sind betroffen, oft nach dem Tod des Partners. Einsamkeit ist häufig eine Folge des Alterns selbst – durch den Verlust von Mobilität, Seh- und Hörkraft, sozialen Kontakten oder Freunden. Nicht verarbeitete Trauer kann in chronische Einsamkeit münden und depressive Symptome sowie körperliche Schmerzen verstärken. „Wenn wir gesund bleiben wollen, sollten wir fühlende Menschen bleiben“, lautete eine zentrale Aussage des Abends.
Als Altersdepression wird eine depressive Erkrankung bezeichnet, die meist ab dem 65. Lebensjahr auftritt. Typische Symptome sind gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Freud- und Interessenverlust, verbunden mit Schlafstörungen, Appetitveränderungen und oft unerklärlichen Schmerzen. Hinzu kommen individuelle Ausgangsbedingungen wie festgefahrene Denkmuster, erworbene Überzeugungen und Ängste, die Sicherheit geben, aber auch Entwicklung hemmen können. Der Referent verwies auf das explizite und implizite Gedächtnis sowie auf zahlreiche vorhersehbare Entwicklungs- und Veränderungskrisen im Leben – vom Berufseintritt bis zum Ausscheiden aus dem Erwerbsleben, vom Verlust nahestehender Menschen bis hin zum Altern selbst.
Depressionen bei anderen zu erkennen, ist oft schwierig, da Betroffene ihre Gefühle häufig verbergen. Warnsignale können anhaltende Traurigkeit, sozialer Rückzug, Reizbarkeit, Erschöpfung, Interessenverlust oder Aussagen wie „alles ist sinnlos“ sein. Wichtig sei es, nicht wegzuschauen: Ansprechen statt ignorieren, aufmerksam zuhören, Gefühle ernst nehmen und Unterstützung anbieten – möglichst gemeinsam auf dem Weg zu professioneller Hilfe.
Als wirksame Hilfen nannte der Referent verschiedene Ansatzpunkte: offene Gespräche, das bewusste Zulassen von Gefühlen, Selbstfürsorge und psychotherapeutische Begleitung. Eine besondere Rolle spielt Bewegung: Mindestens eine Stunde körperliche Aktivität täglich könne nachweislich depressive Symptome lindern und die Stimmung verbessern. Auch Medikamente hätten – je nach individueller Situation – ihre Berechtigung.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Vortrags war die Bedeutung von Spiritualität und Religion. Für viele Menschen können Glaube, Sinnfragen und spirituelle Rituale Halt geben, insbesondere in Zeiten von Verlust, Krankheit und Trauer. Als innere Haltung stellte der Referent einen einfachen, aber tragenden Satz in den Mittelpunkt: „Wer weiß, für was es gut ist.“ Diese Einstellung könne helfen, Krisen nicht nur als Belastung, sondern auch als Teil eines Lebensprozesses zu betrachten und neue Perspektiven zu entwickeln.
In der anschließenden Fragestunde wurde nochmals betont, dass Depressionen auch medizinische Erkrankungen sein können und Betroffene stets mit Respekt, Geduld und Wertschätzung zu behandeln sind. Am Ende des Vortrags bedankte sich Präsidentin Petra Aicher bei Referent Rainer Hoffmann für den informativen und einfühlsamen Abend sowie bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern für das große Interesse und die engagierte Diskussion.
Der Lions Club Freilassing–Salzburger Land lädt interessierte Gäste regelmäßig zu kostenlosen Vorträgen über gesellschaftlich relevante Themen ein.




